Das Roy-Tiger-Buch - Interview mit Konstantin Schadow

Roy Tiger Logo

Sie sind selten, aber es gibt sie noch: die reichlich illustrierten Referenzwerke über Comics, die mit viel Herzblut erstellt worden sind. Zum Jahreswechsel 2020/2021 erschien ein umfangreiches Buch über die Bastei-Heftserie Roy Tiger. Geschrieben und zusammengestellt hat es Konstantin Schadow. CRON hat den Autor des Buchs zu seinem Projekt befragt.


Jahrelange Recherchen, mehr als 520 Abbildungen: Ein Buch über Roy Tiger

Konstatin Schadow hat eine klassische Comicsammlerkarriere absolviert. Der 56-jährige Bankkaufmann, infizierte sich in frühester Kindheit Ende der 1960er Jahre mit dem Comicvirus und ist auch im Erwachsenenalter der Beschäftigung mit seinem Lieblingsmedium zugetan. Natürlich gab es auch bei Schadow die fast schon obligatorische Abnahme der Comicleidenschaft, als Ausbildung, Beruf und Privatleben ihren Tribut zollten und deren fulminante Rückkehr mit einem hohen Nostalgieeffekt.

Den höchsten Nostalgieeffekt auf Schadow hatte die Comicheftserie Roy Tiger aus dem Bastei Verlag. Von ihr sind von 1968 bis 1970 insgesamt 79 Hefte erschienen (die ersten fünf als Teil der Serie Lasso). Die Liebe zu dieser Serie war so groß, dass Schadow nun in einem üppig und großzügig illustrierten Sachbuch die Geschichte, Macher und Hintergründe der Serie beleuchtet.

Besonders bei der Bebilderung hat Konstantin Schadow, der im echten Leben seit fünf Jahren als freiberuflicher Berater für Banken und Finanzdienstleistungsinstitute mit Schwerpunkt »Factoring« arbeitet, alle Register gezogen, da er u.a. auch Eigentümer von vielen Originaltitelbildern ist.

Aber auch die Checklisten und weiterführenden Informationen lassen keine Wünsche offen.

CRON sprach mit dem Mann, so dessen weiteren Hobbys Billard und Astronomie zählen, aber auch der Aufbau von Sammlungen drei Musikern. Neben den Comics haben es ihm noch Frank Sinatra, David Bowie und Elvis Presley angetan.

CRON fragt. Konstantin Schadow antwortetcr ICON-Fragen
Der Autor im Interview

 

Bevor wir zum Roy-Tiger-Buch kommen: Wie ist deine »Comic-Sozialisation« verlaufen? Kannst du dich an deinen ersten Comic erinnern?

Das erste Comicheft war tatsächlich ein Exemplar von Roy Tiger. Heft 39 um genau zu sein. Ich war vier Jahre alt als ich es 1969 bekam und konnte noch kein Wort lesen.

Ich habe dann versucht mir auszumalen, worum es in der Geschichte geht. Besonders angetan hatte es mir das Titelbild. Gemalt von Joaquin Chacopino Fabré, wie ich heute weiß. Da passierte so viel auf einmal, dass man schon einen Moment darüber nachdenken konnte, wie es nur zu so einer Situation hatte kommen können und wie diese sich wohl auflösen würde.

Da meine Eltern beglückt über den für sie erholsamen Effekt waren, den der Kauf des Comics hatte, d.h. ihr Sohn war beschäftigt, wurde ich fortan regelmäßig mit der bebilderten Trivialliteratur versorgt.

Anfangs neben Roy Tiger auch Bessy, Lasso und Silberpfeil, später dann Marvel (Williams), alles von Carl Barks sowie Spirit von Will Eisner (die Magazine von Warren aus den USA). Auch alte Hefte vom Lehning-Verlag mit Material von Hansrudi Wäscher habe ich mir in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zugelegt. Anfang der 1980er Jahre verebbte mein Interesse jedoch und kehrte erst 2008 in einem immer noch anhaltenden Nostalgieanfall zurück.

kschadow

Der Autor freut sich, dass er seine Faszination von Roy Tiger in ein bemerkenswertes Sekundärwerk packen konnte

 

Ja, irgendwann packt die Comicleidenschaft die meisten wieder. Bei mir war es ähnlich. Welche Comics begeistern dich heute noch?

Heute vor allem Daredevil (jedoch nur bis inklusive Frank Miller), immer noch Spirit, immer noch die Enten von Carl Barks, immer noch Hansrudi Wäscher (hier vor allem Nick und Falk). Aber auch Modesty Blaise, Rip Kirby und viele frankobelgische Comics sind überaus unterhaltsam, zeichnerisch und inhaltlich wirklich exzellent gemacht und absolut lesenswert.

Sammelst du weiterhin oder liest du »nur« noch Comics?

Ich sammle immer noch - auch wenn der gröbste Appetit auf neues Material mittlerweile gestillt ist. Das Medium Comic ist jedoch so breit, dass man immer wieder etwas Interessantes entdecken kann.

Außerdem interessieren mich von bestimmten Serien, wie z.B. von Roy Tiger, auch international veröffentlichte Ausgaben. Dass Comics mitunter auch eine exzellente Geldanlage darstellen können, ist dabei nicht der eigentliche Treiber - mitunter aber ein schöner Nebeneffekt.

Auch der Konsum kommt nicht zu kurz, wobei Comics allerdings nur rund ein Drittel meiner Lektüre ausmachen.

Roy Tiger von Konstantin Schadow (Titelbild)

 

Roy Tiger ist eine besondere Leidenschaft von dir. Wieso Roy Tiger? Von der Qualität her ist die diese Serie eigentlich eher Durschnitt. Was ist daran aus deiner Sicht so besonders?

Da kann ich nur zustimmen, die Serie selbst ist sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch eher Mittelmaß. Neben früher Kindheitserinnerungen, die für mich eben zufällig auch mit Roy Tiger verbunden sind, ist es die hohe malerische Qualität der Titelbilder von Chacopino, der 76 der 79 Roy-Tiger-Titelbilder geschaffen hat), die die Serie heute noch für mich interessant macht. Malerisch kann der Spanier problemlos mit anderen Größen wie Klaus Dill und Johnny Bruck mithalten.

Wann hattest du die Idee zu dem Buch?

Die Idee kam erstmals so um 2012. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich etliche der Originalgemälde von Chacopino für Roy Tiger erworben und auch aus verschiedenen Quellen bereits einige Informationen zur Serie zusammengetragen, die nirgendwo dokumentiert waren. Beispielsweise die von der Veröffentlichung vollkommen abweichende Produktionsreihenfolge der Geschichten oder die Korrekturen bei einzelnen Titelbildern (u.a. die nachträgliche Einfügung des Wolfhunds auf dem Titelbild von Roy Tiger Band 42).

Im Laufe der Jahre wurde es dann immer mehr und anstatt im Lockdown 2020 schlechte Laune zu bekommen, habe ich eben die Zeit genutzt und das Buchprojekt Roy Tiger nun realisiert.

Roy Tiger Buch Beispielseite

Hintergrundinfos, Vergleiche, Entstehungsgeschichte:
Beispiel für den Detailreichtum des Buchs

 

Was waren die größten Herausforderungen beim Schreiben und Zusammenstellen des Inhalts?

Die Fertigstellung des Manuskripts hat eigentlich überwiegend wirklich Spaß gemacht. Etwas nervig war der Abgleich der französischen Ausgaben mit den deutschen Heften um angeben zu können, welche Geschichte wann und wo in Frankreich zum Abdruck kam. Das hat einen ganzen Tag gekostet und am Folgetag habe ich am Manuskript keinen Handschlag mehr getan. Beim Korrekturlesen sieht man dann irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Gibt es eine Art Höhepunkt aus der Produktionsphase und einen Tiefpunkt, etwas das nicht geklappt hat?

Der Höhepunkt war die Lieferung des fertigen Buches. Wenn man doch einiges an Zeit und Herzblut investiert hat, ist es einfach schön, das Ergebnis seiner Arbeit in den Händen halten zu können.

Natürlich gab es auch Rückschläge. Zu Beginn der Arbeit war ich noch der festen Überzeugung, dass die Produktion der Geschichten durch das spanische Studio Ortega für Bastei erst Anfang 1968 aufgenommen wurde. Tatsächlich wurde ein wesentlicher Teil der Geschichten aber bereits ab Ende 1966 erstellt (nicht nur die wenigen für den spanischen Markt produzierten Storys). Erstaunlicherweise lief die Produktion für Bastei 1967 bereits auf Hochtouren, obwohl Bastei erst im April 1968 mit der Serie an den Start ging.

Zum Glück habe ich das im Rahmen der Recherchen während der Arbeit am Manuskript über die Einsichtnahme in Originalzeichnungen bei einem befreundeten Sammler noch herausgefunden und konnte es auch mit entsprechenden Belegen korrekt im Buch dokumentieren. Trotzdem war ich kurz davor, hier einen ziemlichen Bock zu schießen. So lernt man trotz aller zuvor angestellten Recherchen durch die Erstellung des Buches selbst noch dazu.

Roy Tiger Buch von Konstantin Schadow (Artwork Chacopino)

Was das Roy-Tiger-Buch auch ist: Eine Hymne an die Kunst von Chacopino

 

Welche Art von Comicfan sollte sich dein Buch unbedingt näher anschauen bzw. zulegen?

Das Buch sollte in jedem Fall für Roy-Tiger-Fans und Liebhaber von Chacopino (auch wegen der vielen gezeigten Originalgemälde dieses Künstlers für Roy Tiger, Lasso und etliche andere Serien) von Interesse sein.

Darüber hinaus bietet das Buch aber auch manches für Interessenten deutscher Comicgeschichte im Allgemeinen, da man viel darüber erfährt, wie Comics damals produziert und vertrieben wurden.

Beispielhaft sei die Frage erwähnt, wie das Lettering in die Originalzeichnungen kam. Da gab es bei Bastei - und nicht nur dort – drei verschiedene Ansätze, die mit Beispielbildern erläutert werden.

War’s das oder gibt es noch ein weiteres Buchprojekt, welches du in den nächsten Jahren realisieren möchtest?

Ich liebäugle ernsthaft damit, ein Buch über Chacopino zu machen. So viele Menschen kennen seine Arbeiten, ohne sie jedoch mit dem Künstler in Verbindung bringen zu können. Alleine in Deutschland sind um die 1.000 Titelbilder von ihm veröffentlicht worden. Sein Gesamtwerk umfasst weit über 10.000 Arbeiten. Das ist gigantisch.

Insbesondere, wenn man die hohe malerische Qualität berücksichtigt, die die meisten seiner Werke zweifellos haben. Durchaus also möglich, dass wir uns dazu dann noch einmal sprechen!

Ich bin jetzt schon gespannt! Vielen Dank für die Antworten.

Die Fragen stellte Matthias Hofmann

Abbildungen © 2020 Joaquin Pino / Konstantin Schadow.

Foto © 2020 Konstantin Schadow


Die nackten Fakten

Roy Tiger: Hintergründe, Bibliographie & Original Art
Konstantin Schadow
Eigenverlag
Limitierte und nummerierte Auflage von 250 Exemplaren
Hardcover, 240 Seiten, Großformat in Farbe
69,00 Euro

Das Buch kann direkt beim Autor bestellt werden für 69 € (inkl. Versandkosten innerhalb Deutschlands, Österreich und Schweiz zuzüglich 6 € Portokostenanteil) über die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Auf Wunsch wird das bestellte Exemplar signiert. Ebenso sollte das Buch im gut sortierten Comicversandhandel erhältlich sein.