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Frisch Gesehen Folge 11: Minions & Monster

»Okay, Action!«


Minions & Monster

Drehbuch: Pierre Coffin, Brian Lynch
Regie: Pierre Coffin

Universal Pictures
USA, 2026 | 90 Minuten | Farbe | FSK: 6
Kinostart: 02.07.2026

Genre: Animation, Komödie

Für alle, die das mögen: Minions (2015), Ausgerechnet Wolkenkratzer (1923), Der General (1926), Moderne Zeiten (1936)



Die Magie Hollywoods

Minions & Monster lassen den Slapstick der Stummfilmära auferstehen


Seit die Minions im Animationsfilm Ich, einfach unverbesserlich (2010) vor nunmehr 16 Jahren das Licht der Kinowelt erblickten, gibt es vor ihnen kein Entkommen. Als heimliche Helden der Filmreihe stahlen die Kauderwelsch plappernden, gelben Helfer dem Bösewicht Gru von Anfang an die Show. Inzwischen sind die Figuren, deren Form an die Plastikkapseln in Überraschungseiern erinnert, in der Popkultur omnipräsent und dürften auch im letzten Winkel der Erde einen Wiedererkennungswert besitzen. Eine eigene Filmreihe, in der die ulkigen Kerlchen die Hauptrolle spielen, war also unvermeidlich. Vor 11 Jahren machte der schlicht Minions (2015) betitelte Film den Anfang und schaffte, woran Ich, einfach unverbesserlich und dessen Fortsetzung aus dem Jahr 2013 noch (knapp) scheiterten: Minions knackte als erster nicht von Disney produzierter Animationsfilm beim globalen Einspielergebnis die magische Marke von 1 Milliarde US-Dollar. Fortsetzungen waren programmiert.

Nach Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss (2022) gehen die gelben Wesen mit Minions & Monster jetzt in die dritte Runde. Und was soll man sagen? Aller gelben Dinge sind drei! Was vor allem daran liegt, dass das von Regisseur Pierre Coffin gemeinsam mit Brian Lynch verfasste Drehbuch endlich eine (richtig tolle) Geschichte erzählt, anstatt nur platte Gags aneinanderzureihen.

Die Rahmenhandlung beginnt in der Gegenwart in einem Museum, in der die Ausstellung »Die Magie von Hollywood« zu sehen ist. Und eine Besuchergruppe staunt nicht schlecht, als sie von der Museumsführerin erfährt, dass die Minions vor 100 Jahren Hollywood gerettet hätten. Von dort reist der Film zunächst noch weiter in der Zeit zurück, um verschiedene Bösewichter aufzuzeigen, denen die Minions einst ihre Dienste anvertrauten. Und natürlich versemmeln sie's ein ums andere Mal, sodass die Fieslinge einer nach dem anderen das Zeitliche segnen. Vom Zyklopen im antiken Griechenland über einen Alchemisten im mittelalterlichen Europa bis zu einer Mumie in Ägypten ist alles vertreten:

Die tollpatschige Zeitreise erinnert stark an den Sketch-Charakter der zwei vorangegangenen Minions-Filme, doch zum Glück besinnen sich Coffin und Lynch nach diesem lustigen Prolog aufs eigentliche Geschäft: das Geschichtenerzählen. Und wo ließe sich der in der Natur der gelben Kerlchen bereits angelegte Slapstick besser zur Entfaltung bringen als in der guten alten Traumfabrik? 

Während einer Verfolgungsjagd wie aus einem Western krachen die Minions in den 1920er-Jahren aus Versehen ins Set eines Films, das sie völlig verwüstet zurücklassen. Dessen Regisseur Max (genial synchronisiert von Christoph Waltz) ist verzweifelt, hält er seinen Film doch für ruiniert. Die nicht ganz hellen, dafür aber sehr breiten Bright Brothers, deren Studio den Film produziert, sind von den auf Zelluloid gebannten gelben Wesen indessen ganz angetan. Und so übernehmen die Minions fortan nicht nur in jedem neuen Film unter der Regie von Max den komischen Part, bald schon führen zwei von ihnen selbst Regie.

Ihr erstes großes Filmprojekt soll ein Monsterfilm werden, und so kommt endlich der Filmtitel ins Spiel. Dass die aus einer Höhle befreiten Monster nichts Gutes im Schilde führen, liegt bei einem Film mit Minions-Beteiligung auf der Hand. Coffin und Lynch nutzen die Gelegenheit, ein gigantisches oranges Glibbermonster zu erschaffen, das an eine mit Tausenden Augen versehene Variante des Blob aus den gleichnamigen Kultklassikern erinnert:

Und so wird aus einer an sich schon sehr lustigen Slapstick-Komödie im furiosen Finale eine Kreuzung aus Monster- und Science-Fiction-Film. Das klingt nicht nur nach einer wilden Mischung, der Mix ist auch ausgesprochen gelungen. Weil der Regisseur und sein Koautor nicht nur die Hollywoodgeschichte in- und auswendig kennen, sondern dieser auch mit Verve frönen. Pierre Coffin zieht vor Größen wie Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd den Hut und schafft es trotzdem, mehr als eine reine Hommage an die Glanzzeiten des Stummfilmkinos abzuliefern. Minions & Monster ist aberwitzig, einfalls- und wendungsreich und bisweilen fotorealistisch animiert. Was ihn mit großem Abstand zum besten Film der Minions-Reihe macht. Nicht nur für Kinder ist das ein Riesenspaß, sondern auch für alle Junggebliebenen groß(artig)er Quatsch, der das Herz eines jeden Filmnerds höherschlagen lässt.

[Falk Straub]


Fotos/Filmbilder © 2026 Illumination & Universal Pictures