Featured

Frisch Gesehen Folge 17: Monster Mia

»Das einzige Monster, das ich hier sehe, bist du!«


Monster Mia

Drehbuch: Katharina Reschke, Jasmina Kallay, Ines Häufler, Tom Martin, Dunja Bernatzky
Regie: Verena Fels

Plaion Pictures
A, D, E, 2026 | 81 Minuten | Farbe | FSK: 0
Kinostart: 15.10.2026

Genre: Animation, Abenteuer, Fantasy

Für alle, die das mögen: Die Monster AG (2001), Hotel Transsilvanien (2012),Wednesday



Von Monstern und Menschen

In Monster Mia finden zwei Parallelgesellschaften zueinander


Mia Münster schwärmt für Monster, obwohl oder vielleicht gerade weil es in ihrer Stadt keine mehr gibt. Der beschauliche Ort ist in Kürze »500 Jahre monsterfrei«, was auch an Mias Schule groß gefeiert werden soll. Dort steht das aufgeweckte Mädchen mit ihren Theorien, das Monster tatsächlich existieren würden, auf verlorenem Posten. Ganz im Gegenteil zu ihrer adretten Zwillingsschwester Marie, die die Auszeichnung als »Schülerin des Monats« abonniert hat.

Zwei unterschiedliche Zwillingsschwestern: die chaotische Mia und die stets korrekte Marie.


Es kommt, wie es kommen muss, damit die Handlung vorankommt: Mia wird von der Schule verwiesen und landet ausgerechnet an der Finsterwald Academy. Womit der erste erzählerische Wendepunkt vollzogen ist. Denn an dieser Lehranstalt, an die man nur durch einen gruseligen Park und mit einem schäbigen Schulbus gelangt, unterrichten echte Monster den monströsen Nachwuchs: kleine Hexen, Werwölfe, Mumien, Vampire und Geister.

Mia scheint am Ziel ihrer Träume angekommen. Das einzige Problem dabei: Die Abneigung zwischen Menschen und Monstern beruht auf Gegenseitigkeit. An Mias neuer Schule gibt es sogar einen »Menschenalarm«, der die Monster vor Menschen warnt, die in ihre Monsterwelt eindringen. Um nicht aufzufliegen, muss sie sich einiges einfallen lassen.

In ihrer neuen Klasse voller Monster ist Mia hin und weg.


Mia Monster
ist eine Co-Produktion aus Österreich, Deutschland und Spanien. Dafür kann sich der Film sehen lassen, auch wenn die Qualität der Animationen ein gutes Stück von den großen internationalen Studios entfernt ist. Die Buchvorlage stammt vom Briten Tim Collins, der sie unter seinem Pseudonym A. B. Saddlewick und dem Originaltitel Monstrous Maud veröffentlicht hat.

Für die Übertragung auf die große Leinwand zeichneten gleich fünf Personen für das Drehbuch verantwortlich, was in der Regel zwar kein gutes Zeichen ist, im vorliegenden Fall aber zu einem überzeugenden Ergebnis geführt hat. Erzählerisch erfindet Mia Monster das Rad zwar nicht neu, liefert aber gut gemachte Unterhaltung für ein junges Publikum – und hält die eine oder andere Überraschung bereit.


Um den frustrierten Bösewicht Van Vlad zu besiegen, muss Mia selbst zum Monster werden, wenn auch unfreiwillig.


Im Kern geht es um zeitlose Themen wie Zugehörigkeit und Freundschaft, Ausgrenzung und Integration, Akzeptanz und Toleranz. Ob sich das fünfköpfige Drehbuch-Team bewusst war, dass im Slogan des »monsterfreien« Orts gerade im deutschen Sprachraum der zu Zeiten des Nationalsozialismus verwendete euphemistische Begriff »judenfreier« Gebiete mitschwingt, sei dahingestellt. Man muss aus der Vertreibung der Monster aus der Menschenwelt nicht gleich eine Allegorie auf die Judenverfolgung herauslesen, zumal diese Parallele keinem Kind im Kinopublikum bewusst sein dürfte. Die Botschaft des Films ließe sich aber mühelos darauf übertragen.

Mia findet im veganen Vampir Paprika und in Oskar, dessen Kopf nicht angewachsen ist, neue Freunde, die dafür stehen, einander ungeachtet der eigenen Herkunft zu akzeptieren. In ihrem gemeinsamen Kampf gegen den von seinem eigenen Frust zerfressenen Schulleiter Van Vlad verbünden sich die drei Freunde sogar mit der auf Mia neidischen Nachwuchshexe Penelope. Dass Van Vlads Hass auf die Menschen, aus denen er liebend gern Monster machen würde, am Ende keine Chance hat, zeigt sich nicht nur in der Akzeptanz, die obsiegt. In der idealen Welt des Films leben Monster und Menschen nicht länger in Parallelgesellschaften nebeneinander her, sondern endlich wieder miteinander.

[Falk Straub]


Abbildungen © 2026 Plaion Pictures