Hinweis zu ALFONZ Nr. 2/2025

Aufgrund der nicht korrekten Übernahme der Druck-PDFs bei der Weiterverarbeitung fehlen auf vier Seiten der aktuellen Ausgabe unseres Comicreporters letzte Sätze von Rezensionen und Kurztexten. Hier gibt es ein PDF mit allen vier Seiten.


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Frisch Gelesen Folge 426: Furcht


»Auch heute gibt es wieder eine schaurige Story, die auf wahren Begebenheiten beruht!«


FRISCH GELESEN: Archiv


Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan Band 1

Story: Juoko Kawakami
Zeichnungen: Juoko Kawakami
 
Softcover | 200 Seiten | s/w | 8,99 Euro

ISBN: 9783741641916

Genre: Horror
 
Für alle, die das mögen: Creepypasta


Horror und Märchen teilen sich viel. Da sind zum Beispiel die Monster. Oder Gespenster. Oder die nicht einmal besonders subtil verborgene moralische Komponente. Weichst du vom Weg ab, wirst du bestraft. Das gilt für Rotkäppchen wie Scream. Bis heute bedienen sich Autoren dieser Methode. Da macht der erste Band der Kurzgeschichtensammlung Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan keine Ausnahme. Und trotz Jahrhunderten der Entwicklung des Genres ist Rotkäppchen die bessere Geschichte.


In sechs Kurzgeschichten greift Juoko Kawakami verschiedene Sünden auf und lässt die Figuren dafür büßen: In Sugardaddy sucht sich ein Mädchen einen älteren Herren, der gegen Bezahlung nur von seinem persönlichen Unglück erzählen will, aber natürlich ein unheimlicher Schattensack ist. (Gier.) In Gesichtsfilter retuschiert ein anderes Mädchen seine Bilder und bringt damit versehentlich ihre Mutter um. (Eitelkeit.) In seiner Vorhersehbarkeit mutet dieser Manga wie eine Sammlung von Creepypasta an, jenen kurzen Gruselgeschichten, die im Netz kursieren.


Allerdings: Was im Netz funktioniert, funktioniert nicht als Manga. Damit eine Horrorgeschichte mehr als nur einen kurzen Schockmoment liefert (was für ein gutes Creepypasta völlig reicht), müssen ihre Figuren Mitgefühl erzeugen. Im besten Fall sogar jede Figur. Sugardaddy ist mit sechzig Seiten die längste Geschichte, liefert aber nur klischeehafte Momente, um sie mehrfach zu wiederholen. Weder für den offenbar toten Mann, der seine Familie bei einem Brand verlor, noch für das Mädchen wird Mitgefühl erzeugt. Sie sind einem einfach vollkommen egal. Es geht nur um den Effekt am Ende, der nicht einmal originell daherkommt. Was ebenso für die Zeichnungen gilt.


Denn Furcht bietet vor allem Kost, die auch zeichnerisch nicht aneckt. Massentauglich und schnell wegzulesen. Was die darin geschilderte Welt nicht nahbarer macht, im Gegenteil: Alles fühlt sich eben wie eine Zeichnung an. Keine Szene löst etwas beim Lesen aus. Wenn es sein muss, zoomt der Bildausschnitt auf ein Detail. Ansonsten sind die Bilder wenig atmosphärisch, sondern fungieren nur in ihrer einfachsten Bedeutung: da ein Tisch, da ein Stuhl, da ein Monster.


Furcht ist unsagbar oberflächlich und unverschämt plump. Bevor jemand Geld für diesen Manga ausgibt, kann er lieber zu Grimms Märchen greifen.

[Björn Bischoff]

Abbildungen © 2025 Panini / Juoko Kawakami


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