»Fangen wir von vorne an und schauen?«
FRISCH GELESEN: Archiv
Story: Ryan North
Zeichnungen: Humberto Ramos
Panini Comics
Softcover | 88 Seiten | Farbe | 9,99 €
ISBN: 978-3-7416-4658-4
Genre: Superhelden, Science Fiction
Für alle, die das mögen: Fantastic Four, Silver-Age-Marvel, Familienunterhaltung, Gute-Laune-Lektüre
Eingebunden in die Rahmenhandlung des Events One World Under Doom wurde in den USA im vergangenen Jahr eine neue Comicreihe der Fantastic Four gestartet. Jetzt erscheint sie auch in Deutschland. Panini bringt im ersten Sammelband ein Abenteuer der Fantastischen Vier vom Free Comic Book Day vom Juni 2025 und die ersten drei US-Hefte der neuen Reihe in der deutschen Übersetzung von Bernd Kronsbein. Schön ist dieser Comic geworden, zuerst einmal zeichnerisch. Die Bilder von Humberto Ramos sind dynamisch, detailliert und werden durch die Kolorierung von Edgar Delgado zu einer visuellen Pracht. Das Vorgeplänkel vom Gratis-Comic-Tag ist eher nett als notwendig. Die F4 landen auf einer intergalaktischen Teenager-Party, bei der die Kids eine Art Geisterbeschwörung durchgeführt hatten, weil ihnen gerade langweilig war. Nun müssen Reed Richards, Sue Storm, Ben Grimm und der mit seinem Schnurrbart doch sehr an Ivo Robotnik aus den Sonic-Videospielen erinnernde Johnny Storm ihren Weg zurück auf die Erde finden – wie gesagt: Für lau ist diese Episode okay.
Die Hauptstory ist eine Art Ouvertüre für die neue Serie. Dr. Doom will sich für immer von seinen hartnäckigen Gegenspielern verabschieden und schickt jeden der Vier in eine andere Ära der Erdgeschichte. Die Fackel verschlägt es in die Zeit, bevor es Tiere und Pflanzen gab. Das Ding muss sich mit Dinosauriern herumschlagen, Reed ist im Mittelalter gefangen und Sue in den letzten Tagen des Planeten, lange nachdem die Menschheit ausgestorben ist. Dass ein gutes Familienoberhaupt immer gewissenhaft für seine Sippe vorsorgt, erzählt Ryan North hier wie folgt: Die vier Helden müssen ihre Koordinaten in einen Stein ritzen. Derjenige oder diejenige, die am weitesten in der Zukunft ist, muss die restlichen Personen mit einer Zeitmaschine zurückholen.
Klingt alles etwas hanebüchen und ist im großen Ganzen auch keine besonders raffinierte oder überdurchschnittlich unterhaltsame Geschichte, aber eben, wie oben bereits erwähnt: schön! Jede Figur bekommt einige Seiten in einer für sie optisch und auf ihre Stärken abgestimmten Sequenz. Bei der Fackel ist es eine Welt aus Stein und Feuer. Ben landet hart auf kargem Boden. Reed Richards bereitet buchstäblich den Weg für seine Frau Sue, die dann über der Welt schwebt und ganz gerührt ist über die Aufopferung und Fürsorge ihres Gatten. Und als ob diese gemeinsame Anstrengung noch nicht fordernd genug war, wartet Doom anschließend mit einer bitteren Pointe auf die Helden: Auch wenn sie sich abrackern wie Sisyphos, all das wird Kaiser Doom nur stärker machen. So glaubt er es zumindest. Der Ausweg der F4 wird visuell sehr gewitzt umgesetzt – eine schöne Idee, vor allem zeichnerisch, während die Handlung etwas uninspiriert bleibt.
Nun kennen wir also die neuen Fantastic Four. Bitte lasst sie uns in Band 2 viele herzliche familiäre Momente erleben und epische Kämpfe durchstehen – damit dieser Run in Erinnerung bleiben wird!
[Stefan Svik]
Abbildungen © 2026 Marvel Comics / Panini
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