Frisch Gesehen Folge 7: Die Schatzsuche im Blaumeisental

»Weißt du, was es im Wald gibt? Einen Zauberer!«


Die Schatzsuche im Blaumeisental

Drehbuch: Antoine Lanciaux, Pierre-Luc Granjon
Regie: Antoine Lanciaux

Luftkind Filmverleih
F/BE, 2025 | 77 Minuten | Farbe | FSK: 0
Kinostart: 27.03.2026 

Genre: Animationsfilm, Abenteuer, Kinder, Familie

Für alle, die das mögen: Lotte Reiniger, Ernest und Célestine (2012), Kommissar Gordon & Buffy (2017)


Alte Technik erstrahlt in neuem Glanz

Der Kinderfilm Die Schatzsuche im Blaumeisental weckt Erinnerungen


Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS), das etwas mehr als einen Monat nach dem deutschen Kinostart von Die Schatzsuche im Blaumeisental in Baden-Württembergs Landeshauptstadt über die Bühne geht, hat den Schwerpunkt seiner 33. Ausgabe einer Pionierin der Gattung gewidmet. Im Fokus stehen der Scherenschnittfilm und dessen Wegbereiterin Lotte Reiniger (1899–1981). Reinigers Film Die Abenteuer des Prinzen Achmed wurde am 2. Mai 1926, also vor genau 100 Jahren, in Berlin uraufgeführt. Auf die Technik der in Charlottenburg geborenen und in Dettenhausen im Landkreis Tübingen gestorbenen Künstlerin, Buchillustratorin und Filmemacherin, die mit ihrem Ehemann und Kreativpartner Carl Koch (1892–1963) 1935 vor den Nazis nach London floh und erst 1943 notgedrungen nach Deutschland zurückkehrte, berufen sich auch die Macher des vorliegenden Films. Die Schatzsuche im Blaumeisental beweist, dass der Scherenschnitt auch ein Jahrhundert nach seinem ersten großen Kinoauftritt immer noch quicklebendig ist – und was sich im 21. Jahrhundert alles mit ihm anstellen lässt.

In 100 Jahren hat sich viel getan –: das Schwarzweiß (mit farbig viragierten Hintergründen) ist einer breiten Farbpalette gewichen, die Figuren und Hintergründe sind detaillierter, Computertechnik hilft bei der Fertigstellung –, der Löwenanteil besteht aber nach wie vor in Handarbeit. Um die Charaktere aus allen erdenklichen Positionen und stets in den korrekten Proportionen zeigen zu können, wurden vor den Dreharbeiten 2000 Figuren und 826 Hintergründe angefertigt, die im Anschluss Einzelbild für Einzelbild abgefilmt wurden. Dass diese Arbeitsweise langwierig ist, versteht sich von selbst. Zusammengenommen flossen mehr als 15.000 Arbeitsstunden allein in die Dreharbeiten dieses kleinen, aber sehr feinen Animationsfilms, was umgerechnet mehr als 2100 Drehtagen entspräche. (Gedreht wurde selbstredend von mehreren Teams parallel.) Für das Design des Films zeichnen Sophie Roze (Charaktere) und Samuel Ribeyron (Hintergründe) verantwortlich, Regie führte Antoine Lanciaux, der mit Die Schatzsuche im Blaumeisental im zarten Alter von 55 Jahren seinen ersten abendfüllenden Film als Regisseur vorlegt (freilich aber schon mehr als 30 Jahre in der Animationsbranche tätig ist).

Und darum geht's: Die neunjährige Lucie hat Ferien und fährt ganz allein mit dem Zug aufs Land, wo ihre Mutter Caro den Sommer über arbeitet. Mit dem Moped geht es über Stock und Stein und vorbei an Wiesen und Wäldern ...:

… bis zu ihrer Unterkunft in einem Bauernhaus und schließlich auch zu Caros Arbeitsstätte. Caro ist Archäologin und an einer Ausgrabung in ihrem alten Heimatdorf beteiligt. An der Seite ihres pummelig putzigen Kollegen Pierrot, der mit seiner Halbglatze, dem Vollbart und der Brille wahlweise wie ein lustiger Onkel oder ein weiser Großpapa auftritt, buddelt Caro in einer legendenumrankten Burgruine, die alsbald auch Lucies Neugierde und Abenteuerlust weckt:

Das Mädchen freundet sich mit dem etwas älteren Bauernjungen Yann aus der Nachbarschaft an und zieht mit ihm durch die Gegend. Der treue Hund Mandrin und das Geschnatter der störrischen Gans Zerbinette sind ihre ständigen Begleiter. Bei ihren kleinen Entdeckungsreisen kommen sie erst einem angeblichen Zauberer, der in einem Wohnwagen im Wald hausen soll und dann einem sagenumwobenen Schatz auf die Spur. Und während Mutter Caro unter der Burgruine eine Krypta freilegt, gräbt ihre aufgeweckte Tochter Lucie ein tief verschüttetes Familiengeheimnis aus.

Das klingt dramatischer, als es tatsächlich ist. Denn Die Schatzsuche im Blaumeisental ist in erster Linie ein locker leichter Kinderfilm für die ganze Familie. Die meisterhaft eingesetzte Scherenschnitttechnik sieht entzückend aus und hat einen Look, dem scheinbar Widersprüchliches glückt: einerseits nostalgische Gefühle bei älteren Generationen zu wecken und andererseits doch irgendwie einzigartig auszusehen. Wer schon einmal in Sommerlaune kommen möchte und abenteuerlustig ist, macht mit diesem Animationsfilm alles richtig.

[Falk Straub] 


Abbildungen © 2026 Luftkind Filmverleih