»Ich mach das nicht, weil ich pervers bin oder so.«
FRISCH GELESEN: Archiv
Urotsukidōji. Legend of the Overfiend, Hefte 1-8![]()
Story: Toshio Maeda
Zeichnungen: Toshio Maeda
Cinestrange Extreme
Heft | je 36 Seiten | s/w | je 15,00 € (Heft 3: 72 Seiten, 25,00 €)
Genre: Hentai, Fantasy
Für alle, die das mögen: Der lachende Vampir, Berserk
Es wird gefickt, gefingert, geblasen, Figuren werden vergewaltigt, ermordet, zermalmt. In aller Explizität. Die Hefte schicken entsprechend den Hinweis im Vorblatt mit: »Achtung: Alle Charaktere, die in sexuellen Handlungen oder nackt dargestellt werden, sind 19 Jahre oder älter. Kein realer oder erkennbarer Minderjähriger wurde bei der Erstellung eines der hier dargestellten Charaktere verwendet.« Bei Urotsukidōji lässt sich also auf den ersten Blick sagen: Es handelt sich um den schmuddeligeren Schmuddelkram.
Der Manga erschien im Original Mitte der 1980er, vor einem Jahr folgte zum ersten Mal eine deutsche Übersetzung. Der unabhängige Filmvertrieb Cinestrange Extreme bringt die Serie in Heftform für den deutschen Markt heraus. Das erste Heft gab es zur Dokomi im vergangenen Jahr. Acht Hefte gibt es bisher, vier weitere Hefte sind angekündigt. Und nach der Lektüre steht fest, dass es kaum eine Serie schaffen wird, so viele Menschen gleichermaßen wütend zu machen.
In Urotsukidōji bricht der Mangaka Toshio Maeda in pubertärer Art alle Grenzen des guten Geschmacks. Eine Frau befriedigt sich mit einer Flasche, ein Autounfall verstümmelt eine Frau, ein Baby wird, nachdem es knapp dem Tod entkommen ist, über ein Brückengeländer geworfen. Und das alles auf den ersten 14 Seiten. Die Provokationen bleiben durchweg plump und überrollen die ohnehin schon dünne Handlung. Kurzzusammenfassung: Irgendwas an einer Schule, dazu Dämonen. Wenn überdimensionierte Echsenschwänze in menschliche Genitalien eingeführt werden, hilft der beste Wille nicht, diesen Manga ernst zu nehmen. Er nervt bereits nach dem ersten Heft.
Was noch für eine launige Review herhalten könnte, wenn es nicht mehrfach Vergewaltigungen von Frauen geben würde. Die Darstellung ist mindestens erotisch aufgeladen. Oftmals wird die Vergewaltigung nach kurzer Zeit in einvernehmlichen Sex umgedeutet. Es gibt diese Trope durchaus in modernen Manga und auch in der modernen Literatur – was sie nicht unproblematischer macht. Zumal Urotsukidōji durchweg den male gaze bedient. Kotz!
Immerhin versteht Maeda sein zeichnerisches Handwerk. Mehr aber auch nicht. Keine Zeichnung überrascht, keine Seite wagt etwas im Layout. (Überhaupt: Die Hefte sind in westlicher Leserichtung.) Die Mimik der Figuren wirkt fürchterlich, selbst in den wenigen Momenten, in denen es nicht um Blut oder Sperma geht. Nicht ein Ausdruck sorgt für Empathie. Wobei sich die Frage stellt, ob man das angesichts der Handlung überhaupt will.
Was Urotsukidōji will, ist dumm provozieren. So dumm wie möglich, um sich am Ende zu freuen, wenn man sich über diese Serie aufregt. Diese acht Hefte haben nicht mehr zu bieten. Es macht keinen Spaß. Es fordert nicht heraus. Es ist schlecht gealtert. Jede Zeile mehr wäre für diesen Quatsch der Ehre zu viel.
[Björn Bischoff]
Abbildungen © 2025/2026 Cinestrange Extreme / Toshio Maeda
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