»The Greatest Space-Fantasy Film of All!«
FRISCH GELESEN: Archiv
Star Wars comics Library Volume 1: »1977–1979«
Herausgeber: Paul Duncan
Autor: Peter Sanderson (Artikel)
Text: Roy Thomas, Archie Goodwin, u.a.
Zeichnungen: Howard Chaykin, Steve Leialoha, Tom Palmer, u.a.
TASCHEN Verlag
HC | 680 Seiten | Farbe | XXL-Format: 28 x 39,5 cm | 175,00 €
ISBN: 978-3-7544-0579-6
Genre: Abenteuer, Dschungel
Für Leser, die das mögen: Star Wars, Marvel Comics, Weltraum-Märchen, Comicadaptionen von Filmen, Kaffeetischbücher
Es war nur eine Frage der Zeit bis sich der Taschen Verlag im Rahmen seiner »Comics Library«-Edition einer der popkultigsten Marken aller Zeiten widmet: Star Wars.
Für meine Generation, die in den 1970er- und 1980er-Jahren aufgewachsen ist, war der Film Star Wars mehr als eine Offenbarung. Der Film, der zum Deutschlandstart im Februar 1978 noch Krieg der Sterne hieß (heute: läuft er unter dem Namen Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung) löste einen enormen Boom aus, brachte Tausende von Teenagern auf den Science-Fiction-Trip und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.
In den 1970ern waren Comicadaption von Kinofilmen keine Seltenheit. So war es nicht überraschend, dass Marvel rund einen Monat vor dem US-Kinostart im Mai 1977 das erste Star-Wars-Comicheft auf den Markt brachte. Geschrieben hat es Marvels damalige Allzweckwaffe Roy Thomas. Gezeichnet wurde die Geschichte von Howard Chaykin, der noch am Anfang seiner Karriere stand. Insgesamt wurde der erste Kinofilm in den ersten sechs Heften der Originalserie adaptiert.
Star-Wars-Erfinder George Lucas war schon immer ein großer Comicfan und so war es keine Überraschung, dass sein Film für die Neunte Kunst umgesetzt wurde. Die Einführung der Comicserie war generalstabsmäßig organisiert. Die ersten beiden Hefte sollten in den USA vor dem Filmstart erscheinen, die dritte Nummer in der Woche der Filmpremiere, die für den 25. Mai 1977 angesetzt war.
In seinem kenntnisreichen Begleitartikel erklärt Comichistoriker Peter Sanderson, warum man die Handlung des Films schon vor dessen Veröffentlichung preisgeben wollte. Lucas habe gesagt: »Nun, es bringt die Leute ins Gespräch, und die ganze Geschichte kennen sie dann immer noch nicht.«
Zudem konnten diejenigen, die unbedingt wissen wollten, wie die Geschichte ausgeht, zur Romanfassung des Films greifen. Das Buch hatte Alan Dean Foster verfasst, aber veröffentlicht wurde es unter dem Namen von George Lucas. Der Roman, der am 12. November 1976, also sechs Monate vor dem Filmstart in den US-Handel kam, war bereits im Februar 1977 ausverkauft.
Der Zeichner Howard Chaykin war damals noch ein Geheimtipp. Er hatte seine ersten Erfahrungen als Assistent für große Comiczeichner wie Gil Kane und Wally Wood gesammelt. Im Independentbereich hatte er den Weltraumpiratencomic Cody Starbuck für die Anthologieserie Star*Reach erschaffen und sich damit einen Ruf als SF-Comiczeichner gemacht.
Der phänomenale Erfolg der Star-Wars-Comics beschleunigte Chaykins Karriere enorm. Eigentlich war die Umsetzung für ihn gegen Ende oft langweilig, wie er später in Interviews zugab. Der Start hingegen war eine Herausforderung, denn die Filmadaption musste er komplett zeichnen, ohne den fertigen Film gesehen zu haben.
In den folgenden 1980er-Jahren erwarb Chaykin abseits der Mainstreamverlage den Ruf eines gefeierten, unbequemen und oft provokanten Comicautors, der seine Geschichten selbst schreibt. Zu einen bekanntesten Werken zählen American Flagg!, eine Mischung aus Science Fiction und politischer Satire, und Black Kiss, eine Geschichte über sexbesessene Vampire in Hollywood mit sehr expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt, weshalb die Serie in einer versiegelten Plastikhülle nur an Erwachsene verkauft werden durfte.
Der Deutschland sind die ersten Star-Wars-Comics beim Williams Verlag unter dem deutschen Filmtitel Krieg der Sterne erschienen. Auch hier war das Timing gezielt geplant, denn das erste Heft kam kurz nach dem deutschen Kinostart (09. Februar 1978) in den Handel. Die erste Inkarnation war jedoch kurzlebig, denn Williams veröffentlichte nur drei Doppelhefte und stellte danach die Serie ein.
Bis heute wurden diese ersten Comics mehrfach von diversen Verlagen neu aufgelegt. Seit vielen Jahren ist die deutsche Heimat der Comics bei Panini Comics, wo regelmäßig neue Hefte, Soft- und Hardcover veröffentlicht werden.
Insofern ist der Inhalt von Band 1 der Star Wars Comics Library nichts, was man nicht schon zuvor in beliebigen anderen Formaten gesehen hätte. Der großformatige (28 x 39,5 cm) Hardcover versammelt auf 680 Seiten die ersten 23 Ausgaben der ursprünglichen Star-Wars-Comicreihe von Marvel.
Als Star Wars zu einem weltweiten Phänomen wurde, wünschten sich die Fans weitere Abenteuer mit ihren Helden Han Solo, Luke Skywalker, Leia Organa und dem Bösewicht Darth Vader. Man kann sich das heutzutage gar nicht mehr vorstellen, da es eine schiere Flut an Film, TV-Serien, Romanen und vieles mehr gibt. Aber damals war die Marvel-Comicserie eine der wenigen Möglichkeiten für Leser, das weit entferne Star-Wars-Universum weiter zu erkunden. Deshalb entwickelte sich die Comicserie schnell zum Bestseller und ist bis heute ein bedeutender Teil der Star-Wars-Geschichte.
Ich bin ehrlich. Aus Sicht des Comicfans sind diese Comics nicht wirklich besonders. Die Zeichnungen sind durchschnittlich, geschaffen von einem jungen Howard Chaykin, dessen besonderes Gespür für Design, klare Linien, modische Kleidung sowie amerikanische Nostalgie sich erst danach weiter ausprägen sollte.
Aus Sicht des Comichistorikers, aber noch viel mehr des Star-Wars-Fans, sind diese ersten Comics wichtige Meilensteine. Für die Hardcore-Fans sind sie wahrscheinlich pures Gold:
in diesem monumentalen Format, mit allen Originalwerbeseiten und dem Bonusmaterial.
Für mich persönlich sind diese Comics eine wohlige Reise zurück in eine unbeschwerte Teenagerzeit, als ich zum SF-Fan wurde und alles genrerelevante aufgesogen habe wie ein Schwamm. Ich hatte natürlich damals die Williams-Hefte direkt am Kiosk gekauft und war total enttäuscht als nach nur drei Ausgaben Schluss war.
Die weiteren Geschichten habe ich aber erst 2026 mit diesem Band von Taschen gelesen. Nach all den Jahren. Natürlich haben diese Comics ziemlich Patina angesetzt, aber man kann sie auch heute noch mit einem wohligen Weltraummärchengefühl goutieren.
Den Preis von 175 Euro für diesen Band finde ich, wie bei allen anderen dieser Taschen-Ausgaben, gerechtfertigt. Das sind rund 7,60 Euro pro Heft, wenn man den wesentlich teureren Sammlerpreis für die ersten Heft komplett außen vor lässt.
Ich kann auch diesen Band allen Comicenthusiasten wärmstens empfehlen. Für Star-Wars-Comics-Fan ist er sowieso ein Must-Have.
[Matthias Hofmann]
Bildmaterial © & TM 2026 Lucasfilm Ltd. & TASCHEN GmbH
Kauft den Comic im gut sortierten Comicfachhandel oder beim Verlag: TASCHEN VERLAG
