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Frisch Gelesen Folge 493: Salvator Mundi


»Ihr wisst so gut wie ich, dass der Kunstmarkt schwierig ist, es gibt enorm viele Fallstricke.«


FRISCH GELESEN: Archiv


Salvator Mundi – Das teuerste Gemälde der Welt und das Geschäft mit der Kunst

Story: Sébastian Borgeaud, Antoine Vitkine
Zeichnungen:Éric Liberge

Knesebeck
Hardcover | 96 Seiten | Farbe | 28,00 €
ISBN: 978-3-98962-093-3

Genre: Kunst-Thriller

Für alle, die das mögen: spannende Geschichten, die auf wahren Begebenheiten basieren



Lange hing die Mona Lisa von Leonardo da Vinci im Louvre in einer Reihe von anderen Bildern und hatte bei Weitem nicht die Bedeutung, die ihr heute zukommt. Erst nach einem spektakulären Diebstahl im Jahr 1911 und nachdem das Gemälde drei Jahre später in Italien sichergestellt wurde, begann das Porträt, größere Beachtung zu erhalten. Nicht zwingend das Gemälde selbst, so scheint es, sondern die Geschichte, die mit ihm verwoben ist, macht seinen Stellenwert aus. Wobei man nicht aus den Augen verlieren darf, dass es weltweit nur etwa 20 Gemälde gibt, die gesichert als von da Vinci gemalt gelten. Auch dies macht die Mona Lisa so außergewöhnlich.

Mit bekannten architektonisch-künstlerischen Motiven baut Liberge geschickt Stimmung auf.


Das bringt uns zu Salvator Mundi. Auch hier spielt die Geschichte um das Bild eine große Rolle. 2005 wurde das stark verschmutzte und beschädigte Gemälde, das Christus als »Erlöser der Welt« zeigt, für den lächerlichen Preis von 1175 US-Dollar an einen Kunsthändler verkauft, der es zur Bearbeitung in die Hände einer amerikanischen Restauratorin gab. Sie war die Erste, die das Potenzial des Bildes erkannte; trotzdem bearbeitete sie es grundlegend. Viel ist vom Original also nicht mehr erhalten, und dennoch elektrisierte das Werk bald schon den Kunstmarkt – denn Bilder von da Vinci sind hauptsächlich in Museen zu finden und nicht dem freien Handel zugänglich. Aber wurde das Gemälde tatsächlich von Leonardo persönlich gemalt? Schließlich arbeitete der große Meister nicht allein, er hatte eine Werkstatt mit vielen sehr fähigen Malern, die im Stil seiner Schule arbeiteten.

Ab diesem Zeitpunkt entfaltete sich ein regelrechter Krimi um Expertisen, geschicktes Marketing und Begehrlichkeiten. Am Ende, als das Werk für die unvorstellbare Summe von 450 Millionen US-Dollar von einem saudi-arabischen Prinzen ersteigert wurde und zum teuersten Gemälde aller Zeiten avancierte, löste es sogar diplomatische Konflikte aus. Saudi-Arabien wollte vom Louvre, dass das Museum Salvator Mundi als von Leonardo da Vinci gemalt ausgibt. Dort war aber niemand bereit dazu, weil die Provenienz nicht hundertprozentig nachweisbar ist und das Museum mit einer solchen Aussage seine eigene Glaubwürdigkeit massiv untergraben würde.

Für 400 Dollar (wie falsch in der Sprechblase steht) hätten sich wohl viele Interessenten das Gemälde geleistet!


Die Geschichte hinter dem Gemälde regte verschiedene Dokumentarfilme an, etwa Andreas Koefoeds The Lost Leonardo, der im Dezember 2021 auch in die deutschen Kinos kam. Im selben Jahr strahlte der französische Sender France 5 den Dokumentarfilm Salvator Mundi : la stupéfiante affaire du dernier Vinci von Antoine Vitkine aus, in dem er die Geschehnisse um das Bild darstellt. Im Anschluss daran begann er gemeinsam mit dem auf Finanzbetrug, Steuerhinterziehung und organisierter Kriminalität spezialisierten Investigativjournalisten Sébastian Borgeaud und dem Comiczeichner Éric Liberge an der Arbeit zu dem Comic Salvator Mundi – Das teuerste Gemälde der Welt und das Geschäft mit der Kunst.

Die Arbeit daran dauerte vier Jahre, und jetzt ist der Comic auch bei uns, und zwar im Knesebeck Verlag erschienen. Im Gegensatz zu der Dokumentation begibt sich der Comic aber auch in den fiktionalen Bereich – im szenischen Einstieg begleiten wir einen fahrenden Händler, der Salvator Mundi durch das nördliche Italien der Renaissance transportiert. Doch bald schon befinden wir uns in zeitgenössischen Gefilden und werden in die aktuellen Geschehnisse um das vermeintliche Meisterwerk hineingezogen. Der Zeichenstil ist durch einen Fotorealismus geprägt, der in blauen und braunen Sepiafarben gehalten ist. Trotz gewisser fiktionaler Elemente haben die Autoren versucht, so nahe wie möglich an der Realität zu bleiben. Liberge nutzt die visuellen Möglichkeiten des Comics sehr gut aus, um Stimmungen zu kreieren und den Zeitgeist einzufangen.

Einblicke in eine Welt, die Normalsterblichen verschlossen bleibt.


Das Ende sticht durch eine erneute große fiktionale Passage hervor, indem sich die Autoren auf eine mögliche Entstehungsversion des Gemäldes festlegen. Leider verkitscht diese Darstellung die ansonsten recht packende, sehr reale Geschichte des Comics unnötig. Bildgewaltig ist Salvator Mundi trotzdem und erzählt eine durchaus nüchterne Thematik spannend und kurzweilig.

[Mechthild Wiesner]

Abbildungen © 2026 Knesebeck / Sébastian Borgeaud, Antoine Vitkine, Éric Liberge


Kauft den Comic im gut sortierten Comicfachhandel oder beim Verlag: Knesebeck