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BLOG: Comic heut' nich' - Folge 15: GCT-Comics - Teil 5

Batman

Mit diesem abschließenden fünften Teil sind alle 30 Gratishefte einer subjektiven Einschätzung unterzogen worden. Der Gratis-Comic-Tag 2013 kann kommen.

Comic heut' nich', Comic morg'n …cr ICON-FastFacts

Rapid Comicz Commentz von Matthiaz Hofmann
2013/KW19 – Folge 15: GCT-Comics, Teil 5 von 5

Geschafft. Alle Hefte gelesen und kommentiert. Ich hoffe, dass für die Leser von Comic Report Online die eine oder andere Anregung oder Entscheidungshilfe dabei war. Es ist nicht leicht, sich zwischen 30 Comics für ein paar wenige zu entscheiden.

Hier noch einmal die drei Wertungen, die ich anwende:

  • »Haben-muss« (must-have )
  • »Engere Auswahl« (short-list)
  • »Kann man nehmen, muss man aber nicht« (nice-to-have)

Und weiter geht's ...


Batman/Superman Adventures

Batman/Superman Adventures

Panini

Comics für KIDS

52 Seiten, Abgeschlossene Geschichten

Zwei abgeschlossene US-Hefte werden als Flip-Book in diesem GCT-Heft geboten. Hat man den Batman-Comic gelesen, dreht man das Heft einfach um und kann die Superman-Geschichte goutieren. Und umgekehrt.

Geboten wird zwei Mal sehr kindgerechte Superheldenkost, die sich vom Zeichenstil an den Zeichentrickserien orientiert. Grafische Höchstleistungen darf hier keiner erwarten, zumal das letzte Wort in Sachen Batman Animation Adaptionen schon vor vielen Jahren Bruce Timm und Paul Dini mit Batman Adventures: Mad Love gesprochen haben.

In diesem Heft gibt es sowohl zu Batman als auch Superman eine Seite mit Erklärungen und den wichtigsten Charakterinfos. Das hier sind DC-Comics für Einsteiger. Abgeschlossene Geschichten. Done-in-One. Ich bin froh, dass es so was noch gibt, bei all dem Crossover-Doom-Gloom-Gedöns der letzten Jahre. »Kann man nehmen, muss man aber nicht«

Batman/Superman Adventures Leseprobe


Piccolo Großband

Piccolo Grossband

comics etc.

32 Seiten, Teaser-Geschichten

Wer hätte das gedacht? Sigurd, Nick und Tibor tummeln sich in einem GCT-Heft anno 2013. Hartmut Becker, Lizenzverwalter und Wächter über »All-Things-Wäscher«, macht aus der Not eine Tugend und reanimiert ein völlig totes Konzept, welches schon der gute alte Walter Lehning im Jahre 1965 (!) beerdigt hatte: den Piccolo Großband.

Der Comicleser von heute hat keine Ahnung, was das sein soll. Gleichzeitig »piccolo« (klein) und »groß«? Und selbst bei der Erwähnung des Comicformats »Piccolo« dürfte man bei den Kids von heute nur einen glasigen Blick und einen ratlosen Gesichtsausdruck ernten.

Bei einem Piccolo Großband sind drei Streifenhefte übereinander montiert, so wie sie eigentlich gedruckt werden. Nur werden sie dann nicht wie üblich in der Druckerei auseinandergeschnitten. Wer das so haben will, der muss hier mit der Schere selbst Hand anlegen. Tut man es nicht, blättert man diese Seiten für die drei Geschichten insgesamt drei Mal um.

Geboten werden die ersten Hefte der jeweiligen ersten Piccoloserie von Nick (1958) und Tibor (1959) sowie von Sigurd interessanterweise das erste Heft der 3. Piccoloserie von 1995, das einen deutlichen filigraneren Zeichenstil der Ein-Mann-Comicproduktionsmaschine namens Hansrudi Wäscher zeigt (Heft 1 der ersten Piccoloserie stammt aus dem Jahr 1953, ist also 60 Jahre alt). Wer sich heutzutage noch an diese Comichelden erinnert, hat in der Regel graue Haare oder einen ansehnlichen Bauch oder läuft krumm oder braucht eine halbe Stunde, um aus dem Auto auszusteigen. Oder alles zusammen.

Um die aktuelle Jugend mit den in die Jahre gekommenen Wäscher-Heroen bekanntzumachen, wurde dieses GCT-Heft produziert. Wenn ich mich recht entsinne hatte schon Manfred Wildfeuer vor zwei Jahren diese Eingebung, doch es kam nie dazu. Jetzt hat es der Kleinverlag comics etc. gewagt und legt diesen lupenreinen Nostalgieflash vor. Die Geschichten, die ja Wäscher auch nur von anderen abgekupfert hat (z.B. ist Tibor eigentlich Akim, der wiederum eigentlich Tarzan ist), sind quasi universell und in ihrer Essenz relativ zeitlos. Nur Weltraumfahrer Nick (»Sputnik explodiert!«) ist wirklich etwas in die Jahre gekommen. Nichts veraltet schneller als Science Fiction, was man auch an Comics wie Luc Orient ablesen kann.

Insgesamt vor allem etwas für Nostalgiker. Aber dennoch, weil Hartmut Becker Mut beweist und nichts unversucht lässt, um seine Schäfchen nachhaltig in die nächsten Jahre galoppieren und dort grasen zu lassen, ein: »Engere Auswahl« (short-list)

Piccolo Großband Leseprobe

 


Benni Bärenstark

Benni Bärenstark: Benni macht das Rennen

toonfish

Comics für KIDS

52 Seiten, vollständiges Album

Im Zuge des Peyo-Revivals des Splitter Verlags startete just im Februar 2013 Benni Bärenstark. Unter dem toonfish-Imprint werden damit nach den Schlümpfen und Johann und Pfiffikus bis Ende des Jahres die drei wichtigsten Kreationen des Belgiers Pierre Culliford wieder für Fans der klassischen Funnyhelden im Handel verfügbar sein.

Das Heft bietet das komplette zehnte Album. Eine mutige Entscheidung, denn genau diese Story ist gerade Anfang Mai auch als Hardcover-Album erschienen. Es hätte meines Erachtens mehr Sinn gemacht, mit dem ersten Benni-Band beim GCT aufzutreten, einfach, weil dieser am schönsten den kleinen Jungen mit den Superkräften vorstellt und von Peyo selbst gezeichnet ist. Allerdings haben die frühen Abenteuer alle einen Umfang von mehr als 50 Seiten und fallen daher für den GCT flach.

Die Geschichte »Benni macht das Rennen«, in welcher der bärenstarke Held zusammen mit dem Automechaniker Victor an einem waghalsigen Autorennen teilnimmt, entstand in der späten Phase und stammt von Peyo-Sohn Thierry Culliford und dem Zeichner Pascal Garray. Benni selbst spielt eher eine untergeordnete Rolle in dieser Story.

Das ist der Kids-Titel für die Kinder von Fans frankobelgischer Funny-Klassiker. Gelungene Zeichnungen, solide, abwechslungsreiche Handlung, eine runde Sache. »Engere Auswahl« (short-list)

Benni Bärenstark Leseprobe


Der Narwal

Der Narwal

Carlsen Comics

32 Seiten, zwei Kurzgeschichten

Jeff Jordan war gestern. Jetzt kommt Robert Narwal, der Taucher, dem kein Meer zu tief und kein Auftrag zu riskant ist. Zusammen mit seinem Vater André Napoléon Narwal betreibt er die Tauchagentur »Bloodshift«. Dieses Heft bringt zwei von zehn Kurzgeschichten aus dem fast einhundertseitigen Sammelband, der die komplette Originalserie beinhaltet.

Seine Aufträge führen Bob Narwal um die ganze Welt: Vom Mittelmehr in die Arktis, von der Bretagne bis zum Pazifik, der junge Held kennt sich in den Weltmeeren aus. Seine Fälle haben oftmals mit versunkenen Schätzen, okkulten Phänomenen und rätselhaften Funden zu tun. Seinen Weg kreuzen nicht nur Schatzsucher, sondern auch schon mal somalische Piraten oder Drogenhändler.

Der Narwal von Olivier Supiot (Text) und Boris Beuzelin (Zeichnungen) ist eine gelungene Mischung aus Spannung und schwarzem Humor und damit eine beherzte Verbeugung vor den klassischen frankobelgischen Abenteuercomics eines Maurice Tillieux, aber ohne die moderneren Einflüsse von Künstlern wie Yann und Didier Conrad zu verleugnen. Da zwängt man sich doch gerne in den Neoprenanzug. »Engere Auswahl« (short-list)

Der Narwal Leseprobe


Before Watchmen

Before Watchmen: Rorschach

Panini

32 Seiten, Teaser-Story


Am 18. Juni 2013 erscheinen die ersten beiden Titel der großen Before-Watchmen-Sause auf Deutsch: Rorschach und Minutemen. Wer es nicht erwarten kann, der darf zu diesem GCT-Heft greifen, um sich einen Vorgeschmack zu holen. Mehr ist es aber auch nicht, denn von Rorschach werden die ersten 20 Seiten geboten und von Minutemen gar nur deren vier.

Rorschach ist einer der Charaktere aus Alan Moores Watchmen-Universum, der am enigmatischsten rüberkommt. Es dürfte auch eine der Figuren sein, auf deren Abenteuer man sich am meisten freut. Bei dieser Geschichte haben sich Brian Azzarello (Story) und Lee Bermejo (Zeichnungen) erneut zusammengetan. Zuvor hatten sie schon Geschichten wie die Miniserie Lex Luthor: Man of Steel oder den Einzelband Joker geschaffen.

Viel passiert auf diesen Seiten (noch) nicht, da die Geschichte zunächst einmal ausgerollt werden muss. Bermejo, einer der Ehrengäste von Panini auf dem diesjährigen Comicfestival in München, hat einen hyperrealistischen Stil, der zwar schön anzuschauen ist, aber stellenweise an mangelnder Dynamik leidet. Insgesamt passt aber das grafische Ergebnis zur Atmosphäre rund um Rorschach. Also alles im grünen Bereich.

Für Superhelden- und DC-Fans gilt: »Engere Auswahl« (short-list)

Before Watchmen Leseprobe


Hades-Syndrom

Hades-Syndrom: Crossfire 1

TheNextArt

32 Seiten, Teil 1 von 2

Hades-Syndrom ist eine Independent-Heftserie, die schon seit 2007 erscheint. Sechs Teile sind davon publiziert worden, dazu verschiedene Sonderbände, welche die bisherigen Geschichten zusammenfassen oder in überarbeiteter Form präsentieren.

Autor und Zeichner ist der Sauerländer Michael Feldmann, der ein Faible für sexy Rock Chicks hat und diese auch durchaus gekonnt in Szene setzt. Der Comic ist eine Art dystopischer Near-Future-Thriller, der in einer Welt spielt, die einen zwanzig Jahre anhaltenden Weltkrieg um die letzten Energiereserven hinter sich hat. Darüber hinaus verläuft eine neue Mauer durch ganz Deutschland, auf einer Seite lebt die Wohlstandsgesellschaft, auf der anderen herrschen Dritte-Welt-Zustände.

Hauptdarstellerin ist die schlagkräftige Dodo, die in einer Frauenband spielt und sich nichts sagen lässt. Das Heft erzählt den ersten Teil ihrer Vorgeschichte zur Hauptserie.

Michael Feldmann schafft hier das Kunststück, seine durchaus überzeugenden Zeichnungen in einem Meer von Grau- und Schwarztönen zu ertränken, so dass man glaubt, das Licht wäre ausgefallen. Von der ersten bis zur letzten Seite spielt die Handlung in einer düsteren Dunkelheit, dass es einem schwer fällt, nicht depressiv zu werden. Das ist ziemlich wahrscheinlich Absicht, ebenso wie die Tatsache, dass Feldmann selbst eine Rolle in dem Comic spielt, aber manchmal würde man sich wünschen, er hätte nicht alles so dunkel zugekleistert. Dann würde man nämlich erkennen, dass er ganz schön was drauf hat. (Der Scan der Beispielseite ist noch die »hellste« Szene.)

Das Heft verströmt eine eigenwillige Atmosphäre, die sicherlich nicht jedem zusagt, aber wenn man sich drauf einlässt, vor negativen Schwingungen und Dystopien keine Angst hat, dann kann man hier ein Talent erkennen, auf dessen weitere Entwicklung man gespannt sein kann. »Engere Auswahl« (short-list)

Hades-Syndrom Leseprobe


Resident Evil

Resident Evil

KAZÉ Manga

52 Seiten, Teaser-Story

Resident Evil ist der Manga für die Horror- und Zombie-Fraktion, eine Gruppe von Leuten, die ja jedes Jahr größer zu werden scheint. Erst im März gab es doch diesen Zombiewalk im Ruhrgebiet, da liefen Untote mit blutverschmierten Gesichtern am hellichten Tag durch die Innenstadt, und dabei war Karneval längst vorbei und Halloween noch ganz weit weg.

CAPCOMs Videospiel Resident Evil erlangte innerhalb kurzer Zeit Kultstatus. Inzwischen gibt es sechs Teile und auch Kinofilme dieser unheimlichen Horrorfranchise, und da war es wohl nur eine Frage der Zeit bis man den Stoff auch für die Comics adaptierte.

Das Heft bietet den Start der Story, der den Plot und die wichtigsten Charaktere vorstellt. Naoki Serizawa kann sehr gut realistisch zeichnen, die Personen sind schön bis sexy dargestellt, und die Actionsequenzen sind stellenweise wahrlich nichts für Weicheier. Daher ist dieses Heft auf jeden Fall für eher erwachsene Leser gemacht.

Wer auf harten Seinen-Manga steht, der ist hier goldrichtig. Für den gilt: »Haben-muss« (must-have). Für alle anderen: »Kann man nehmen, muss man aber nicht«

Resident Evil Leseprobe

Resident Evil Leseprobe


Rubine

Rubine: 96 Stunden

EPSiLON Verlag

52 Seiten, komplettes Album

François Walthéry, der Mann, der uns die gut aussehende Stewardess Natascha geschenkt hat, schuf darüber hinaus eine weitere starke Frauenfigur: Rubine, die rothaarige Inspektorin der Polizei von Chicago, erlebt recht vertrackte Krimiabenteuer, die in einem von der École Marcinelle geprägten Semi-Funny-Stil umgesetzt werden.

EPSiLON bietet hier Album Nummer 9 auf, welches sehr schön zeigt, wie die Serie gestrickt ist. Eine Frau verschwindet, von der es sich herausstellt, dass sie vor mehr als zwölf Jahren einen Mann erschossen hat. Aber eigentlich sollte diese Frau gar nicht mehr leben, weil sie damals auf dem Weg ins Gefängnis mit ihrem Flugzeug abgestürzt ist. Und in dem Stil geht's weiter …

Rubine ist ein Comic, der Spannung und auch viel Text verspricht. Deshalb sollte man hellwach sein, wenn man die Story liest, sonst passiert es, dass man den Faden verliert.

Die Serie konnte sich in Deutschland nie so fest bei einer größeren Stammleserschaft etablieren wie Natascha, aber sie dürfte zumindest allen Freunden der Marcinelle-Schule genauso stark zusagen. »Engere Auswahl« (short-list)

Rubine Leseprobe


Alle Hefte 2013 - Kurz kommentiert: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5


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Über das Blog

Mit »Comic heut' nich', Comic morg'n …« räumt Matthiaz [sic!] auf, denn jede Woche flattern ziemlich viele Comics auf seinen Redaktionstisch. Nicht alles eignet sich für lange Abhandlungen, aber vieles ist es wert, dass man ein paar Worte darüber verliert. Also macht er es sich bequem und schreibt darüber. Und manchmal auch darüber hinaus …